Fußball ist unser Leben - Erinnerungen eines Ehemaligen

 

Ich traf im Jahre 1974 auf eine Horde heroischer Männer die sich dachten, dass ein

richtig guter Fußballer wohl der ist, der au feinem abschüssigen Spielfeld bergauf seine

Siegtore schießt. da mich Herausforderungen zu dieser Zeit noch wirklich faszinierten,

musste ich einfach zu ihnen gehören. Nach einigen Jahren Übung und Spielen gegen die

Stadtkapelle (ohne Instrumente versteht sich), die freiwillige Feuerwehr und die

Metzgerauswahl Welzheim gründeten wir eines Sonntag morgens im "Wilden Mann"

den Freizeitverein Aichstrut - in den folgenden Jahren auch das "Real Madrid des

Welzheimer Waldes" genannt. Legendär war dabei nicht nur die Kameradschaft, die zu

den sportlichen Erfolgen führte, sondern auch die feuchtfröhlichen Stunden in Otto Drehers

Zimmerei und des Zeilenschreibers Ladenstüble. 25 Jahre später lässt zwar die Fitness

bei ein paar Wenigen nach, doch das Gedächtnis funktioniert noch ganz gut uns so

erinnern sich wohl alle Veteranen an die Anreisen zu Auswärtsspielen und Ausflügen mit

Maiers Bussen, gefahren von unserem Auswanderer Heiner Wiesenmaier, das Vesper

auf der Motorhaube mit großem Lackschaden auf Manfred Gerlachs Auto, an unzählige

Turniersiege und die Stunden danach. Oftmals hieß das, spät abends zu Fuß von der

Tannwiese zum "Wilden Mann" zu pilgern - und da wir unsere Frauen vorsorglich

heimgeschickt hatten - nach dem Siegestrunk auch noch heimwärts laufen zu müssen.

Trotzdem es sich bei mir nur um 4 Kilometer Weg handelte, forderte der doch meine

verbliebenen körperlichen Kräfte und Orientierungssinn oftmals bis auf Äußerste.

Auf Siegesfeiern verkündete ich lauthals, 5000 Meter unter 19 Minuten zu laufen, worauf

eine Wette mit Otto Dreher entstand, der  mit 2 Kästen Bier gegen einen Meter

Schinkenwurst meinerseits hielt. An einem schönen Ostersonntag musste ich dann mein

Versprechen im Stadion in Schorndorf in die Tat umsetzen, wobei ich heute noch der

Überzeugung bin, dass unser damaliger Vorstand Hans Joos mit seiner Jury im Sinne

unsere Mannschaft die Stoppuhr etwas schneller laufen lies; so hatte ich zwar gegen

Otto Dreher gewonnen, aber die 19 Minuten schaffte ich nicht, uns wir hatten zu unserem

Bier auch noch ein deftiges Vesper.

Erinnern will ich auch an unser erstes Länderspiel gegen eine Auswahl aus Zell am See,

oder unser Spiel in Hongkong (Honkling) mit anschließender Siegesfeier im "Rififi"

in Backnang, und im "Wiener Lusthaus" in Winnenden....Kommentar wohl nicht erforderlich.

Unser unermüdlicher Manager Werner Bareiß die treibende Kraft, unser Uli Hoeneß,

möchte ich jedoch hier noch extra erwähnen. Ihm hatten wir es zu verdanken, dass wir

schon damals ein höchst modern und straff geführter Verein waren uns sicher waren

Einige froh, dass wenigstens einer alle ungeliebten Arbeiten gutgelaunt und motiviert erledigte.

Ich bin glücklich so viel Kameradschaft erlebt zu haben und auch wenn es schon viele Jahre her

ist möchte ich mich nochmals für die Hilfsbereitschaft beim Umbau meines Geschäftes

bedanken. An dieser Stelle sollte aber auch den Spielerfrauen großes Lob und Dank zuteil

werden, die enorme Geduld und viel Verständnis für ihre Männer und ihr zeitaufwendiges Hobby

aufbrachten und bringen.

Auch ohne die passiven Mitglieder, Fans und Schlachtenbummler, die uns mental und mit ihrem

Gebrüll unterstützten, hätten wir wohl nicht zu einer solchen Form auflaufen können.

Kameraden, ich danke Euch für diese schöne Zeit die ich niemals missen möchte.

 

Euer ehemaliger Spielführer Otto Kellermann